Unterhaltung hält dich unten. Eine althergebrachte Weisheit, die mit Blick auf die deutschsprachige Medienlandschaft stetig an Wahrheit gewinnt. Trotzdem geben die Menschen neben der verpflichtenden Rundfunkgebühr Unsummen für Streaming-Abos aus. Die Share Economy – „Du wirst nichts besitzen und glücklich sein“ – ist also längst Realität geworden. Dagegen spricht zunächst wenig, schließlich kostet ein Kinobesuch inzwischen mehr als ein Netflix-Monatsabo. Manche fördern obendrein das Unterschichtenfernsehen¹, indem sie Dienste wie simpliTV oder Joyn zusätzlich abonnieren. Im Jahr 2022 konsumierten die Deutschen erstmals länger bezahlte² als kostenlose Videoinhalte. Kein Wunder, schließlich sind die allseits beliebten Fußball-Live-Übertragungen ebenfalls kostenpflichtig. Doch aufgepasst: Gerade vor dem Hintergrund, dass Videostreams besonders häufig am Laptop abgespielt werden, könnte Ace Stream eine Möglichkeit sein, die monatlichen Unterhaltungskosten zu senken. Insbesondere für Ubuntu-Nutzer und Netzwerkadministratoren ist das smarte Live-P2P-Video-Netzwerk eine interessante Domäne, in der das Tor zur globalen Fernsehwelt geöffnet wird.
Ace Stream lässt sich unter Ubuntu vorzugsweise via Snap mit einem einzigen Terminal-Befehl installieren:
sudo snap install acestreamplayer
Daraufhin lädt die Linux-Distribution drei eigenständige Programme herunter:
- ACE Player HD
- ACE mpv
- Ace Stream Engine
Währenddessen die ersten beiden Komponenten lediglich optional nutzbare Video-Player sind, handelt es sich beim letzten Teil um das Zugangsportal zum Ace-Netzwerk. Damit die Wiedergabe funktioniert, muss die Ace Stream Engine stets gestartet sein. Nach dem Öffnen erscheint sie als Symbol im Infobereich (Tray) der Taskleiste und arbeitet im Hintergrund.
Ace Stream basiert grundsätzlich auf der BitTorrent-Technologie, weist jedoch einige Besonderheiten auf. Im Gegensatz zu klassischen BitTorrent-Clients, die hauptsächlich für den Austausch kompletter Dateien entwickelt wurden, ist Ace Stream auf die Übertragung von Live-Videostreams optimiert. Die Technologie selbst ist neutral und kann sowohl für legale als auch für nicht lizenzierte Inhalte eingesetzt werden.
Viele TV-Stationen verzichten gänzlich auf die Peer-to-Peer-Fähigkeiten und übertragen ihre Inhalte auf einen zentralen Webserver, der den Video-Stream per HTTP (Port 80) an die Zuschauer ausliefert. Vor allem wenig frequentierten Sender nutzen das Ace-Stream-Netzwerk so, um ihr Programm stabil und weltweit zu verbreiten.
Die Grundidee von Ace Stream besteht jedoch darin, dass eine Quelle einen HD-Videostream an eine sehr große Anzahl von Zuschauern übertragen kann, ohne die gesamte Upload-Bandbreite selbst bereitstellen zu müssen.
- Ähnlich wie bei anderen Peer-to-Peer-Netzwerken gibt der Empfänger eingehende Datenpakete an andere Teilnehmer weiter.
Dadurch verteilt sich die benötigte Bandbreite auf alle verbundenen Peers und das Netzwerk skaliert mit steigender Zuschauerzahl. In klassischen Filesharing-Netzwerken wie BitTorrent oder Kademlia müssen Portweiterleitungen im Router oder VPN-Dienst eingerichtet werden, damit andere Teilnehmer direkte Verbindungen zum eigenen Rechner aufbauen können.
Zudem wurde die Ace Stream Engine in den letzten Jahren so stark weiterentwickelt, dass die meisten Peer-Gruppen aus lediglich drei gleichstarken Teilnehmern bestehen, die sich Datenpakete über aufrechterhaltene TCP-Verbindungen hin und her schicken.
Streams für Ace Stream
Nach der ganzen Netzwerktheorie stellt sich natürlich die Frage, woher die Stream-Links überhaupt stammen. Bis vor einigen Jahren war es oft notwendig, zwielichtige Webseiten zu durchsuchen, bei denen nie ganz klar war, ob der Play-Button tatsächlich einen Stream startet oder auf eine Phishing-Seite führt.
- Die Entwickler von Ace Stream haben dieses Problem erkannt und stellen die Stream-Links inzwischen über eine eigene Suchmaschine bereit.
Dort lassen sich nicht nur TV-Sender aus aller Welt finden, sondern auch aktuelle Live-Events und Sportübertragungen.
Mit einem Klick auf das Kamerasymbol neben dem gewünschten Eintrag wird der entsprechende Ace-Stream-Link in die Zwischenablage kopiert.
- Anschließend lässt sich im VLC Media Player über die Tastenkombination „Strg + N” das Fenster Netzwerkadresse öffnen aufrufen.
- Dort wird der zuvor kopierte Link mit „Strg + V” eingefügt und der Stream-Inhalt über die Schaltfläche „Wiedergabe“ gestartet.
Nach wenigen Sekunden beginnt der Videostream mit dem Aufbau. Voraussetzung hierfür ist, dass die Ace Stream Engine bereits im Hintergrund läuft und als Symbol im Infobereich (Tray) der Taskleiste auf eingehende Stream-Anfragen wartet.
Die Qualität der Ace-Streams hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die meisten TV-Sender werden inzwischen in 720p, viele sogar in Full HD (1080p) übertragen. Um eine möglichst ruckelfreie Wiedergabe zu gewährleisten, empfiehlt es sich, in den Einstellungen der Ace Stream Engine den Live Buffer auf mindestens 24 Sekunden zu erhöhen.
Wer sich den Internetanschluss mit anderen Personen teilt, sollte außerdem bedenken, dass für einen stabilen HD-Stream eine dauerhaft verfügbare Downloadrate von rund 1.500 KB/s (ca. 1,5 MB/s) erforderlich ist. Steht diese Bandbreite nicht kontinuierlich zur Verfügung, kann es zu Bildrucklern oder kurzen Unterbrechungen kommen.
ℹ️ Rund um Ace Stream halten sich bis heute zahlreiche Mythen. Immer wieder wird die Software mit dem Darknet oder anonymen Tauschbörsen in Verbindung gebracht. Tatsächlich trifft beides nicht zu. Ace Stream ist ein gewöhnliches Peer-to-Peer-Netzwerk, das über das „unverschleierte” Internet kommuniziert. Die Software nutzt standardisierte TCP- und UDP-Verbindungen und lässt sich mit Netzwerkwerkzeugen wie Wireshark oder Sniffnet problemlos analysieren. Weder kommen Onion-Routing noch andere Anonymisierungstechniken zum Einsatz.
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¹Spoerr, Kathrin: Wo Unterschichten zu Hause sind. welt.de (06/2026).
²Link, Michael: Videostreaming: Zahlen, Daten, Fakten. In: c’t Nr. 2 (2023). S. 142.

























