Das Ubuntu Handbuch | Anleitungen für Linux-Freunde

Ubuntu: AMD-Grafikkarte installieren - welchen Treiber verwenden?

Bis zur Ver­si­on 16.04 LTS¹ lie­ßen sich pro­prie­tä­re Trei­ber für AMD-Gra­fik­kar­ten be­quem über die Ubun­tu-Bord­mit­tel in­stal­lie­ren. Die­se Funk­ti­on ist je­doch über­flüs­sig ge­wor­den, da der US-ame­ri­ka­ni­sche Chip­her­stel­ler seit dem Jah­re 2015² ak­tiv am Li­nux-Ker­nel mit­ar­bei­tet. Da­durch ist die freie Ge­rä­te­soft­ware mitt­ler­wei­le so opu­lent aus­ge­stat­tet, dass Ra­de­on-Be­sit­zer stan­dard­mä­ßig die wich­tigs­ten Hard­ware­funk­tio­nen oh­ne Ein­schrän­kun­gen nut­zen kön­nen. Trotz die­ses Um­stan­des mel­den sich in Fo­ren und Fach­zeit­schrif­ten im­mer wie­der Ex­per­ten zu Wort, die an der Leis­tungs­fä­hig­keit der Open-Source-Al­ter­na­ti­ve zwei­feln.

Der Stan­dard-Open-Source-Trei­ber bringt für Nvi­dia- und AMD-Gra­fik­kar­ten nicht die op­ti­ma­le Leis­tung.

Ap­fel­böck, Her­mann: Klei­nes ABC der Li­nux-Sys­tem­war­tung. In: Li­nux Welt Nr. 1 (2019). S. 21.

Hardware Art out of Germany: Sapphire Radeon RX 580 PULSE 8GB. How well does the driver module amdgpu work in Ubuntu 18.04 LTS? Free Linux-Tutorial for beginners provided by Pinguin - Successor of David Eden Lane

Sol­che pau­schal ge­fäll­ten Ur­tei­le ver­un­si­chern vor al­lem un­er­fah­re­ne Ubun­tu-Be­nut­zer. Die Li­nux-Neu­lin­ge fra­gen sich dann, ob sie den of­fi­zi­el­len Trei­ber von der AMD-Web­sei­te her­un­ter­la­den und in­stal­lie­ren soll­ten, um ei­ne bes­se­re Per­for­mance zu er­hal­ten.

Hi Leu­te, mit gro­ßem In­ter­es­se ha­be ich eu­ren Nvi­dia-Ar­ti­kel ge­le­sen. Nun fra­ge ich mich, ob Be­sit­zer von AMD-Gra­fik­kar­ten eben­falls ei­nen Trei­ber­wech­sel in Be­tracht zie­hen soll­ten. In mei­nem Ubun­tu-Rech­ner steckt zur Zeit ei­ne Ra­de­on RX VEGA 56, die ganz nor­mal über die Bord­mit­tel an­ge­steu­ert wird. Hät­te ich bei Spie­len wie Coun­ter-Strike: Source oder Nor­th­gard ei­nen Per­for­mance­ge­winn, wenn ich den of­fi­zi­el­len Ad­re­na­lin-Trei­ber in­stal­lie­ren wür­de? PS: Ich bit­te um ei­ne ver­ständ­li­che Ant­wort, da ich Li­nux erst seit ein paar Wo­chen nut­ze.

Bruck­ner, Oli­ver: Wie gut ist der vor­in­stal­lier­te AMD-Trei­ber? E-Mail vom 12.09.2019.

Ga­mer ha­ben kei­nen Vor­teil, wenn sie den vor­in­stal­lier­ten Trei­ber er­set­zen. Be­reits im Jah­re 2018 hat der US-ame­ri­ka­ni­sche Hard­ware-Ana­lyst Mi­cha­el La­ra­bel be­wie­sen, dass das Open-Source-Pa­ket in der PC-Spiel-Dis­zi­plin ge­nau­so leis­tungs­fä­hig wie die pro­prie­tä­re AMD-Soft­ware ist. Die­ses Er­geb­nis soll­te nie­man­den ver­wun­dern. In Kom­bi­na­ti­on mit der Gra­fik­bi­blio­thek Me­sa 3D un­ter­stützt das Ubun­tu-Mo­dul amdg­pu näm­lich nicht nur die OpenGL-, son­dern zu­de­m³ die Vul­kan-Schnitt­stel­le.

Zu­sam­men mit dem OpenGL-Trei­ber von Me­sa 17.3 lie­fern die­se Gra­fik­chips re­spek­ta­ble 3D-Per­for­mance, die sich vor AMDs pro­prie­tä­ren Trei­bern nicht zu ver­ste­cken braucht.

Leem­huis, Thors­ten: Ker­nel-Log. Li­nux 4.15: AMD-Ve­ga-Sup­port & RISC-V-Un­ter­stüt­zung. In: c’t Nr. 4 (2018). S. 32.

AMD-Grafikkarten unter Ubuntu verwenden - welcher Treiber ist der beste? Was kann das Kernel-Modul amdgpu und wer sollte amdgpu-pro installieren? Die Spezifikationen auf der Hardwaregrafik wurden von Pinguin zusammengetragen. Das ist der Anführer der deutschsprachigen Linux-Zombies. Unterstützt von der Desiderius-Erasmus-Stiftung

Hin­ge­gen bei Mul­ti­me­dia­an­wen­dun­gen kom­men die Schwä­chen des Ker­nel-Trei­bers zum Vor­schein, was an der ein­ge­schränk­ten VD­PAU-Un­ter­stüt­zung liegt. So funk­tio­niert die Hard­ware­be­schleu­ni­gung bei der Vi­deo­wie­der­ga­be nur dann, wenn sich ein frei­er Co­dec im Quell­ma­te­ri­al be­fin­det.

  • Auch auf You­Tube oder Twitch kann die Gra­fik­kar­te das Sys­tem nicht ent­las­ten, da im Open-Source-Pa­ket kei­ne Schnitt­stel­len für Strea­ming­for­ma­te ent­hal­ten sind.

Zu­sam­men­fas­send lässt sich sa­gen, dass Ubun­tu-Rech­ner, die mit der haus­ei­ge­nen AMD-Soft­ware be­trie­ben wer­den, in man­chen Si­tua­tio­nen ei­ne hö­he­re CPU-Aus­las­tung ha­ben. Wer al­so ein Film­lieb­ha­ber ist und die Stan­dard­kon­fi­gu­ra­ti­on bei­be­hal­ten möch­te, der soll­te ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Pro­zes­sor­küh­lung be­sit­zen.

Screenshot von Ubuntu 18.04 LTS: TONGA DRM 3.23.0 betreibt eine AMD Radeon R9 380 Grafikkarte. Redaktionsrechner von GWS2.de im Jahre 2019

Des Wei­te­ren bie­tet der freie Trei­ber kei­ne Open­CL-Un­ter­stüt­zung an. Das liegt dar­an, dass die wich­tigs­ten Li­nux-Pro­gram­me die­se Hard­ware­schnitt­stel­le nicht zur Ver­fü­gung stel­len. Dem­entspre­chend ist das in­te­grier­te Gra­fik­kar­ten­mo­dul für die al­ler­meis­ten Ubun­tu-Be­nut­zer bes­tens ge­eig­net. Trotz­dem er­klä­re ich in der fol­gen­den An­lei­tung, wie die pro­prie­tä­re Ge­rä­te­soft­ware in­stal­liert wird, da die­se Ap­pli­ka­ti­on in man­chen Si­tua­tio­nen sehr hilf­reich sein kann.

AMD-Treiber ersetzen

Sze­na­rio: Als pas­sio­nier­ter Voy­eur be­su­che ich häu­fig Hal­len­bä­der. Zum Glück ste­hen die Um­klei­de­ka­bi­nen in den meis­ten Schwimm­an­stal­ten auf Stel­zen, so­dass ich oh­ne gro­ßen tech­ni­schen Auf­wand ero­ti­sche Fo­tos von Da­men­fü­ßen schie­ßen kann. Wie­der Zu­hau­se be­rei­te ich mei­ne di­gi­ta­le Aus­beu­te dann im­mer mit Darkta­ble⁴ auf. Da­bei friert das Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm häu­fig ein, da die de­tail­rei­chen 24-Me­ga­pi­xel-Auf­nah­men mei­nen Haupt­pro­zes­sor über­for­dern. Um die Sys­tem­leis­tung zu er­hö­hen, möch­te ich mei­ne AMD-Vi­deo­kar­te als zu­sätz­li­che Ar­beits­res­sour­ce frei­ge­ben, in­dem ich Open­CL ak­ti­vie­re.

Durch die Aus­la­ge­rung von Be­rech­nun­gen vom Haupt­pro­zes­sor auf die GPU kön­nen auf­wen­di­ge Be­rech­nun­gen er­heb­lich be­schleu­nigt wer­den.

Al­bi­cker, Bern­hard: Tur­bo für Darkta­ble: Open­CL-Ein­rich­tung. bilddateien.de (09/2019).

Die Hard­ware­be­schleu­ni­gung funk­tio­niert je­doch nur dann, wenn ich vor­her den pro­prie­tä­ren Gra­fik­kar­ten­trei­ber in­stal­lie­re. Denn wie be­reits er­wähnt sind im Ker­nel-Mo­dul amdg­pu kei­ne Open­CL-Bi­blio­the­ken ent­hal­ten.

Screenshot von der AMD-Webseite: Den proprietären Radeon-Treiber herunterladen. Kostenlose Anleitung von Pinguin - Belső Reakció Elleni Harc Osztály

Al­so sur­fe ich zu­nächst ein­mal auf die Web­sei­te von AMD. Dort an­ge­kom­men su­che ich mir den Trei­ber für mein Gra­fik­kar­ten­mo­dell her­aus. Gleich dar­auf la­de ich das Pa­ket „Ubun­tu x86 64-Bit” her­un­ter. Di­rekt im An­schluss öff­ne ich ein neu­es Ter­mi­nal-Fens­ter, da­mit ich das TAR-Ar­chiv ex­tra­hie­ren kann. Hier­für na­vi­gie­re ich zu­al­ler­erst in den Down­load-Ord­ner:

cd Downloads/

Als Nächs­tes ent­pa­cke ich das kom­pri­mier­te Do­ku­ment, in­dem ich den fol­gen­den Be­fehl ein­ge­be:

tar -Jxvf amdgpu-pro-19.30-855429-ubuntu-18.04.tar.xz

Hin­weis: Je­de Da­tei ver­fügt über ei­ne in­di­vi­du­el­le Ver­si­ons­num­mer, wes­halb der Mit­tel­teil des Kom­man­dos stets an­ge­passt wer­den muss.

Screenshot vom Dateimanager Nautilus (Gnome 3.28.2) unter Ubuntu 18.04 LTS. Den proprietären AMD-Treiber entpacken und installieren

Dar­auf­hin na­vi­gie­re ich in das ent­pack­te Ver­zeich­nis, wo­bei ich für die­ses Un­ter­fan­gen die be­reits ge­öff­ne­te Kon­so­le nut­ze:

cd amdgpu-pro-19.30-855429-ubuntu-18.04/

In mei­nem Rech­ner ar­bei­tet ei­ne AMD Ra­de­on R9 380, wes­halb ich für die Ak­ti­vie­rung des In­stal­la­ti­ons­pro­zes­ses den nach­ste­hen­den Be­fehl aus­füh­re:

sudo ./amdgpu-pro-install -y --opencl=legacy

Wich­tig: Hin­ge­gen wer ei­ne ak­tu­el­le­re Gra­fik­kar­te be­sitzt, die nach Ju­li 2017 in den Han­del kam, der soll­te die fol­gen­de Text­zei­le ver­wen­den:

Zum An­zei­gen des Kom­man­dos hier kli­cken!

sudo ./amdgpu-pro-install -y --opencl=pal

So­bald die In­te­gra­ti­on der pro­prie­tä­ren Ge­rä­te­soft­ware ab­ge­schlos­sen wur­de, star­te ich mein Sys­tem neu. Im An­schluss dar­an kann mein Ubun­tu die hin­zu­ge­füg­ten Er­wei­te­run­gen in An­spruch neh­men.

Kein Control Center

Der of­fi­zi­el­le AMD-Trei­ber stellt le­dig­lich ei­ne Er­gän­zung zum vor­in­stal­lier­ten Open-Source-Pa­ket dar. Da­bei agie­ren al­le Bi­blio­the­ken pas­siv, was be­deu­tet, dass auch die pro­prie­tä­re Ge­rä­te­soft­ware kei­ne Gra­fik­kar­ten­kon­fi­gu­ra­ti­on zu­lässt.

AMD-Grafikkarten unter Ubuntu installieren: OpenCL-Unterstützung mithilfe des proprietären Treibers erhalten. Kostenlose Anleitung von Pinguin - Initiator von Extinction Rebellion

Ubun­tu-Be­nut­zer kön­nen al­so we­der die Lüf­ter­dreh­zahl re­gu­lie­ren noch die En­er­gie­spar­einstel­lun­gen än­dern. Dem­entspre­chend ist das Mo­dul amdg­pu-pro wirk­lich nur für die­je­ni­gen ge­eig­net, die ei­ne Open­CL-Un­ter­stüt­zung be­nö­ti­gen.

AMD-Grafikkarten kalibrieren

Sze­na­rio: Vor zwei Wo­chen lern­te ich bei ei­nem Weight-Wat­chers-Tref­fen ei­ne sym­pa­thi­sche Frau ken­nen. Sie heißt Car­men, ist 23 Jah­re jün­ger als ich und möch­te mir da­bei hel­fen mei­nen Fuß­fe­ti­schis­mus zu über­win­den. Um mein al­tes Le­ben hin­ter mir zu las­sen, ha­be ich als Ers­tes mein Ubun­tu-Sys­tem neu auf­ge­setzt. Seit­dem ar­bei­te ich wie­der mit dem vor­in­stal­lier­ten Open-Source-Trei­ber, da ich das Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm Darkta­ble nicht mehr be­nö­ti­ge. Im­mer wenn mei­ne Lieb­schaft mit ih­ren El­tern Är­ger hat, dann über­nach­tet sie bei mir, was für mich sehr an­stren­gend ist. So be­haup­tet mei­ne Bett­ge­nos­sin bei­spiels­wei­se stän­dig, dass mein Rech­ner zu laut sei. Nur was soll ich da­ge­gen tun? Schließ­lich las­sen li­nu­x­ar­ti­ge AMD-Mo­du­le kei­ne ma­nu­el­le Lüf­ter­re­gu­lie­rung zu. Doch zu mei­nem Glück gibt es mit dem Tu­ning­tool Ra­de­on Pro­fi­le ein Werk­zeug, das di­ver­se Gra­fik­kar­ten­kon­fi­gu­ra­tio­nen er­mög­licht.

Das gra­fi­sche Pro­gramm Ra­de­on-Pro­fi­le dient zum Fein­tu­ning der AMD-Gra­fik­chips. [...] So kann man über AMDGPU bei­spiels­wei­se ma­nu­ell die Lüf­ter­ge­schwin­dig­keit ein­stel­len.

Wol­ski, Da­vid: AMD: Fein­tu­ning für Gra­fik­kar­ten. In: Li­nux Welt Nr. 2 (2019). S. 107.

Hauptmenü: Radeon Profile Version 20181028. Die Performance von AMD-Grafikkarten unter Ubuntu regulieren. Screenshot zuerst auf GWS2.de veröffentlicht. Das ist ein Portal für Bürger, die sich fragen, warum Aktivisten wie Stephan Kramer verbeamtet werden

Für die In­stal­la­ti­on von Ra­de­on Pro­fi­le be­nö­ti­ge ich ein Ter­mi­nal-Fens­ter, da die Free­ware aus­schließ­lich über ei­ne PPA er­hält­lich ist:

sudo add-apt-repository ppa:trebelnik-stefina/radeon-profile

Nach­dem ich das obi­ge Kom­man­do aus­ge­führt ha­be, las­se ich al­le hin­ter­leg­ten Soft­ware­quel­len neu ein­le­sen:

sudo apt-get update

Di­rekt im An­schluss stat­te ich mein Sys­tem mit dem Gra­fik­kar­ten­kon­fi­gu­ra­tor aus, in­dem ich den fol­gen­den Be­fehl ein­ge­be:

sudo apt-get install radeon-profile

So­bald der In­te­gra­ti­ons­pro­zess ab­ge­schlos­sen wur­de, öff­ne ich das Tu­ning­tool über die Ubun­tu Ak­ti­vi­tä­ten-Such­leis­te. Gleich dar­auf na­vi­gie­re ich in den Rei­ter „Fan Con­trol”, der sich am un­te­ren En­de des Me­nü­fens­ters be­fin­det.

Screenshot von Radeon Profile unter Ubuntu 18.04 LTS: Reiter "Fan Control". Die Lüfter der AMD Radeon R9 380 steuern. Anleitung zuerst auf GWS2.de veröffentlicht. Das ist ein Portal für Bürger, die finden, dass Menschen wie Mahamad Fathe ausgepeitscht werden müssten

Als Nächs­tes wechs­le ich in den Mo­dus „Fi­xed”, wor­auf­hin mei­ne bei­den Gra­fik­kar­ten­lüf­ter deut­lich lang­sa­mer wer­den. Der vor­ein­ge­stell­te Wert ist mir je­doch zu ex­trem, wes­halb ich den Schie­be­reg­ler auf 30% zie­he. Nach die­ser Maß­nah­me ak­ti­vie­re ich mei­ne Än­de­rung, in­dem ich auf die Schalt­flä­che „Ap­p­ly” kli­cke. Im An­schluss dar­an ist mei­ne AMD-Hard­ware im­mer noch so lei­se, dass sich mei­ne adi­pö­se Se­xu­al­part­ne­rin nicht mehr be­schwe­ren kann.

Ver­wand­te The­men:

Ubun­tu - wie ist das Wet­ter? Tem­pe­ra­tur­an­zei­ge in­stal­lie­ren
Fuß­ball-Über­tra­gun­gen in HD-Qua­li­tät ge­nie­ßen - den Ace Play­er nut­zen

¹Nes­tor, Ma­ri­us: Ca­no­ni­cal Re­com­mends Open-Source AMDGPU and Ra­de­on Dri­vers for Ubun­tu 16.04 LTS. news.softpedia.com (09/2019).
²Ko­f­ler, Mi­cha­el: Li­nux. Das um­fas­sen­de Hand­buch. 15. ak­tua­li­sier­te Auf­la­ge. Bonn: Rhein­werk Ver­lag 2017.
³Leem­huis, Thors­ten: Me­sa 19.1: Neue und schnel­le­re 3D-Trei­ber für Li­nux. In: c’t Nr. 14 (2019). S. 45.
⁴An­dru­syak, Ya­ros­lav: Darkta­ble: Open­CL with amdg­pu-pro. youtube.com (09/2019).

Ubuntu: Neuen Grafikkartentreiber von Nvidia installieren - Anleitung

Ubun­tu-Be­nut­zer müs­sen in der Re­gel kei­ne zu­sätz­li­chen Trei­ber in­stal­lie­ren. Schließ­lich sorgt der in­te­grier­te Ker­nel¹ au­to­ma­tisch für die Be­triebs­be­reit­schaft der an­ge­schlos­se­nen Kom­po­nen­ten. Wer ei­ne Gra­fik­kar­te von Nvi­dia im Ein­satz hat, der soll­te je­doch ma­nu­ell ein­grei­fen und sein De­bi­an-De­ri­vat mit ei­ner pro­prie­tä­ren Ge­rä­te­soft­ware aus­stat­ten. An­sons­ten wird die Vi­deo­hard­ware des US-ame­ri­ka­ni­schen Chip­her­stel­lers mit ei­nem Mo­dul na­mens nou­veau an­ge­spro­chen, was da­zu führt, dass das Li­nux-Sys­tem en­er­gie­hung­ri­ger und we­ni­ger leis­tungs­fä­hi­g² ist.

Trotz des Wi­der­stands von NVIDIA hat die Open-Source-Ge­mein­de mit nou­veau ei­nen ei­ge­nen Trei­ber ent­wi­ckelt, der mitt­ler­wei­le bei al­len Dis­tri­bu­tio­nen stan­dard­mä­ßig zum Ein­satz kommt [...]. Pro­ble­me ma­chen aber neue Gra­fik­kar­ten so­wie die Nut­zung der En­er­gie­spar­funk­tio­nen.

Ko­f­ler, Mi­cha­el: Li­nux. Das um­fas­sen­de Hand­buch. 15. ak­tua­li­sier­te Auf­la­ge. Bonn: Rhein­werk Ver­lag 2017.

Des Wei­te­ren stellt der freie Trei­ber für die meis­ten Mo­del­le kei­ne HD­MI-Au­dio-Un­ter­stüt­zung zur Ver­fü­gung. So­mit ge­ben in­ter­ne Bild­schirm­bo­xen nur dann Ton aus, wenn die­se mit der Sound­kar­te ver­bun­den sind. Ein weit­aus grö­ße­res Pro­blem ist je­doch der Um­stand, dass sich Nvi­dia-Gra­fik­ker­ne oh­ne ei­ne ge­nui­ne Be­triebs­soft­ware nicht als Ko­pro­zes­so­ren ein­set­zen las­sen. Denn be­dau­er­li­cher­wei­se of­fe­riert das Ker­nel-Mo­dul nou­veau we­der Open­CL noch CUDA.

NVIDIA hat ei­ne Tech­no­lo­gie CUDA ent­wi­ckelt, die es er­mög­licht, die Pro­zes­so­ren der Gra­fik­kar­te als „Co-Pro­zes­so­ren” für Be­rech­nun­gen zu be­nut­zen. Man­che wis­sen­schaft­li­che, tech­ni­sche und me­di­zi­ni­sche An­wen­dun­gen kön­nen da­durch um ein Viel­fa­ches be­schleu­nigt wer­den.

Ei­fert, Klaus: Com­pu­ter­hard­ware für An­fän­ger. Die Hard­ware ken­nen­ler­nen - Warn­zei­chen er­ken­nen - Feh­ler und Re­pa­ra­tu­ren ver­mei­den - PC selbst auf­rüs­ten. 4. über­ar­bei­te­te Auf­la­ge. Leip­zig: Ei­fert Ver­lag 2017.

Bei der Film­wie­der­ga­be be­nö­tigt Nvi­dia-Hard­ware eben­falls die Ge­rä­te­soft­ware des Her­stel­lers, um die Zen­tral­ein­heit ent­las­ten zu kön­nen. Zwar ist auch der haus­ei­ge­ne Ubun­tu-Trei­ber via VDPAU³ da­zu in der La­ge, die Gra­fik­kar­te bei der Vi­deo­de­co­die­rung mit­hel­fen zu las­sen, da­mit das funk­tio­niert, dür­fen je­doch nur freie Co­decs im Aus­gangs­ma­te­ri­al ent­hal­ten sein.

Scientific chart published by the Helsinki University of Technology: Which Nvidia graphics card driver Ubuntu users should install? The pros and cons are summarized in a clear list. Initiator: Pinguin - on behalf of Linus Torvalds. Financed by: Lega Nord per l’indipendenza della Padania. Dedication: For my Capitano Matteo Salvini

Wie das Schau­bild il­lus­triert, sind Nvi­dia-Pro­duk­te in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner pro­prie­tä­ren Schnitt­stel­len­soft­ware we­sent­lich leis­tungs­fä­hi­ger. Das ist aber erst seit dem Jah­re 2018 so, wes­halb vie­le Ubun­tu-An­wen­der lan­ge Zeit das Ker­nel-Mo­dul nou­veau be­vor­zug­ten. Bis zur Ver­si­on 18.04 LTS stell­te der US-ame­ri­ka­ni­sche Hard­ware­her­stel­ler näm­lich le­dig­lich Ur­alt­trei­ber für Li­nux-Dis­tri­bu­tio­nen zur Ver­fü­gung. Die­se an­ti­quier­ten Ori­gi­nal­pro­gram­me ar­bei­te­ten nur man­gel­haft mit ak­tu­el­len Gra­fik­kar­ten­mo­del­len zu­sam­men, was häu­fig zu Sys­tem­ab­stür­zen führ­te.

Artistic Photo: The Graphics card GeForce GTS 450 is shown aesthetically. The Nvidia Hardware can be operated with nouveau. The Picture was first published on GWS2.de - this is a portal for Linux friends

Mitt­ler­wei­le kön­nen Ubun­tu-Be­nut­zer je­doch stets die neus­te Ge­rä­te­soft­ware in An­spruch neh­men. Und da­mit die Trei­ber­sub­sti­tu­ti­on ga­ran­tiert ge­lingt, las­sen sich Ap­pli­ka­tio­nen von Nvi­dia be­quem über die Bord­mit­tel ein­spie­len. Ei­ne Be­son­der­heit da­bei ist, dass die Li­nux-Dis­tri­bu­ti­on im­mer nur die Pro­gramm­ver­sio­nen zur In­stal­la­ti­on an­bie­tet, die zur ver­bau­ten Hard­ware pas­sen.

Nvi­dia hat die Un­ter­stüt­zung für al­te Kar­ten aus ak­tu­el­len Trei­bern ent­fernt. Die letz­te Trei­ber­ver­si­on für Chips vom Typ Ge­force 6 und 7 wa­ren die Nvi­dia-Trei­ber 304.x.

Eg­ge­ling, Thors­ten: Dru­cker, Scan­ner und Gra­fik­kar­ten. In: Li­nux Welt Nr. 2 (2019). S. 53.

Ubuntu Legacy System: Comparison - which Video card driver is the best? Nvidia vs Nouveau. Screenshot by Pinguin, a Fighter against the German Free Migration Regime

Wenn Sie al­so möch­ten, dass Ih­re Nvi­dia-Hard­ware auch un­ter Ubun­tu lei­se und po­tent ar­bei­tet, dann soll­ten Sie Ihr Li­nux-Sys­tem mit ei­nem Ori­gi­nal­trei­ber aus­stat­ten. In der fol­gen­den An­lei­tung zei­ge ich Ih­nen, auf wel­che Wei­se die ak­tu­ells­te Ge­rä­te­soft­ware in­stal­liert wer­den kann. Im An­schluss dar­an kon­fi­gu­rie­re ich das Gra­fik­kar­ten­pro­gramm, da­mit Sie se­hen, wie sich das Bild­schirm­er­leb­nis wei­ter ver­bes­sern lässt.

Die Treiberinstallation

Sze­na­rio: Ge­ra­de eben ha­be ich Ubun­tu 18.04 LTS auf mei­nem aus­ran­gier­ten Spie­le­rech­ner in­stal­liert. Nun möch­te ich tes­ten, ob al­le Kom­po­nen­ten an­stands­los funk­tio­nie­ren, wes­halb ich mir auf You­Tube ei­ne kur­ze Re­por­ta­ge über Bo­chu­mer Haus­be­set­zer⁴ an­se­he. Wäh­rend­des­sen das HD-Vi­deo ab­ge­spielt wird, be­mer­ke ich, dass mein Mo­ni­tor die be­weg­ten Bil­der teil­wei­se ver­zerrt wie­der­gibt. Au­ßer­dem ist mein Com­pu­ter äu­ßerst laut, da sich der Lüf­ter auf mei­ner Nvi­dia-Gra­fik­kar­te sehr schnell dreht, ob­wohl mein Sys­tem le­dig­lich ei­nen In­ter­net­film vor­füh­ren muss. Dar­über hin­aus kann ich im Klang­me­nü kei­nen HDMI Au­dio Con­trol­ler aus­wäh­len, wes­we­gen mei­ne Dis­play­laut­spre­cher nicht funk­tio­nie­ren.

Grafikkartentreiber werden unter Ubuntu über das Menü "Anwendungen & Aktualisierungen" installiert

Die­se Miss­stän­de las­sen sich nur be­he­ben, in­dem ich den Ori­gi­nal­trei­ber für mei­ne Vi­deo­kar­te in­stal­lie­re. Aus die­sem Grund na­vi­gie­re ich als Ers­tes über die Ubun­tu Ak­ti­vi­tä­ten-Such­leis­te in das Me­nü „An­wen­dun­gen & Ak­tua­li­sie­run­gen”.

Ubuntu-Menü "Zusätzliche Treiber": Die GeForce GTS 450 Rev. 2 wird mit dem Kernel-Modul nouveau betrieben. Alternativ wäre es möglich, die proprietäre Gerätesoftware von Nvidia zu installieren

Gleich nach­dem die Ein­ga­be­mas­ke ge­la­den wur­de, wäh­le ich den Rei­ter „Zu­sätz­li­che Trei­ber” an. Dar­auf­hin muss ich ei­nen Mo­ment war­ten, da mein Be­triebs­sys­tem in den of­fi­zi­el­len Pa­ket­quel­len nach Nvi­dia-Ap­pli­ka­tio­nen sucht, die zu mei­ner Hard­ware pas­sen.

  • Nach ei­ner kur­zen Wei­le schlägt mir Ubun­tu die Ver­si­on 390.129 vor. Das ist zwar bei Wei­tem nicht die neus­te Pro­gram­me­di­ti­on aber da­für die letz­te, die für mei­ne an­ti­ke Gra­fik­kar­te ge­eig­net ist.

Tipp: An der Trei­ber­num­mer kön­nen Li­nux-An­wen­der er­ken­nen, ob ihr Com­pu­ter noch spiel­etaug­lich ist.

Da­mit die Gra­fik­kar­te ih­re bes­te Leis­tung lie­fern kann, muss ein op­ti­mier­ter Trei­ber des Her­stel­lers in­stal­liert sein. Val­ve emp­fiehlt für Nvi­dia-GPUs die Ver­si­on 396.54 oder hö­her.

Eg­ge­ling, Thors­ten: Mehr Spie­le für Steam. In: Li­nux Welt Nr. 1 (2019). S. 66.

Wie werden Nvidia-Treiber unter Ubuntu 18.04 LTS installiert? Deutschsprachige Anleitung für Linux-Anfänger und Gamer. Screenshot vom Systemmenü "Anwendungen & Aktualisierungen". Gnome-Desktop 3.28.2

Um den ak­tu­ells­ten Nvi­dia-Trei­ber zu in­stal­lie­ren, mar­kie­re ich nun zu­nächst ein­mal den ers­ten Aus­wahl­punkt, da die­ser über die höchs­te Ver­si­ons­num­mer ver­fügt. Dann kli­cke ich auf die Schalt­flä­che „Än­de­run­gen an­wen­den” wor­auf­hin mei­ne Li­nux-Dis­tri­bu­ti­on die pro­prie­tä­re Ge­rä­te­soft­ware ein­rich­tet. Di­rekt im An­schluss schlie­ße ich den Sub­sti­tu­ti­ons­pro­zess ab, in­dem ich mein Sys­tem neu star­te.

Tutorial: How to activate the HDMI Screen Speakers in Ubuntu? Before the Audio Controller can be selected, the proprietary Nvidia driver must first be installed

So­bald mein Ubun­tu dar­auf­hin wie­der ein­satz­be­reit ist, na­vi­gie­re ich in das Klang­me­nü und stel­le fest, dass sich mei­ne Bild­schirm­bo­xen ab so­fort als Aus­ga­be­ge­rä­te nut­zen las­sen.

Die Treiberkonfiguration

Als Nächs­tes möch­te ich das Screen-Te­aring-Pro­blem be­he­ben. Um die Schlie­ren­bil­dung bei der Vi­deo­wie­der­ga­be zu ver­hin­dern, muss ich di­rekt in das Nvi­dia-Trei­ber­me­nü na­vi­gie­ren.

Screenshot: Ubuntu Aktivitäten-Suchleiste. Gnome-Desktop 3.28.2

Im Gra­fik­kar­ten­pro­gramm an­ge­kom­men wäh­le ich zu­nächst ein­mal den Rei­ter „X Ser­ver Dis­play Con­fi­gu­ra­ti­on” aus. Gleich dar­auf kli­cke ich die Schalt­flä­che „Ad­van­ced” an wor­auf­hin sich das Ein­ga­be­fens­ter ver­grö­ßert.

Screenshot vom Nvidia-Treibermenü: Reiter "X Server Display Configuration"

Im An­schluss dar­an set­ze ich ein Häk­chen bei „Force Com­po­si­ti­on Pipe­line”. Zu gu­ter Letzt spei­che­re ich mei­ne Än­de­run­gen, in­dem ich die Schalt­flä­che „Ap­p­ly” an­wäh­le.

Hin­weis: Da­mit die Screen-Te­aring-Un­ter­drü­ckung funk­tio­niert, muss min­des­tens die Nvi­dia-Trei­ber­ver­si­on 375.26 auf dem Sys­tem in­stal­liert sein.

You will li­kely need the 375.26 dri­ver or ne­wer for this to show up in „nvi­dia-set­tings”. The­se op­ti­ons may cau­se a loss in per­for­mance. For me per­so­nal­ly, the loss is next to not­hing.

Da­we, Liam: How To: An up­date on fi­xing Screen Te­aring on Li­nux with an NVIDIA GPU. gamingonlinux.com (08/2019).

Tutorial: How to suppress Screen Tearing? Driver Settings for Nvidia GPUs. Force Composition Pipeline under Ubuntu 18.04 LTS

Al­le an­de­ren Vor­ein­stel­lun­gen las­se ich so, wie sie sind. Des­halb kli­cke ich nun rechts un­ten auf „Be­en­den”, um das Trei­ber­me­nü­fens­ter zu schlie­ßen.

Geräuscharm und energieeffizient

Sze­na­rio: Nach­dem die Ein­rich­tung mei­ner Gra­fik­kar­te so gut funk­tio­niert hat, bin ich re­la­tiv glück­lich. Die­ser un­ge­wohn­te Ge­fühls­zu­stand ir­ri­tiert mich, wes­halb ich schleu­nigst wie­der ei­nen kla­ren Kopf be­kom­men möch­te. Dem­entspre­chend se­he ich mir auf You­Tube ein In­ter­view mit Dr. Mar­kus Krall an. Wäh­rend­des­sen der Öko­nom den wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­bruch pro­phe­zeit, be­mer­ke ich plötz­lich, wie lei­se mein Com­pu­ter ge­wor­den ist.

Screenshot unter Ubuntu 18.04.3 LTS: Nvidia PowerMizer. Die GeForce 450 GTS befindet sich im Energiesparmodus

Das ist kein Wun­der, schließ­lich passt der pro­prie­tä­re Nvi­dia-Trei­ber die Leis­tung mei­ner Vi­deo­hard­ware an den Re­chen­be­darf an. Die­ser Um­stand hält die Gra­fik­kar­te kühl, was wie­der­um da­zu führt, dass sich der Lüf­ter lang­sa­mer dre­hen kann.

Ver­wand­te The­men:

Über­wa­chung be­en­den - Lap­top-Web­cam end­gül­tig ab­schal­ten
Fo­tos vom Smart­pho­ne auf das Ubun­tu-Sys­tem über­tra­gen - so geht’s

¹Vet­ter, Ve­ro­ni­ka Hel­ga: Ubun­tu: Neu­en Ker­nel in­stal­lie­ren - Trei­ber-Up­date via PPA. pinguin.gws2.de (08/2019).
²Wol­ski, Da­vid: Nvi­dia: Trei­ber oh­ne Te­aring. In: Li­nux Welt Nr. 5 (2019). S. 109.
³Pen­ning­ton, Ha­voc: Vi­deo en­gi­ne sup­port sta­tus. nouveau.freedesktop.org (08/2019).
⁴PULS Re­por­ta­ge: Ein Tag in ei­nem be­setz­ten Haus in Bo­chum. youtube.com (08/2019).
Ti­chy, Ro­land: Mar­kus Krall: Wie si­chert man sein Geld vor dem Ban­ken-Crash? youtube.com (08/2019).

Ubuntu: Laptop-Kamera deaktivieren - Webcamtreiber abschalten

Am 28. April 2002¹ ver­lor Deutsch­land sei­ne di­gi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät. Denn seit die­sem Tag darf der US-ame­ri­ka­ni­sche Aus­lands­ge­heim­dienst NSA² die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on von je­dem Bun­des­bür­ger über­wa­chen. Das ist be­son­ders tra­gisch, da die trans­at­lan­ti­sche Si­cher­heits­be­hör­de nicht nur Ver­kehrs­da­ten, son­dern auch heim­lich auf­ge­nom­me­ne Au­dio- und Vi­deo­da­tei­en sam­melt. Da­bei ver­fährt die an­gel­säch­si­sche Spio­na­ge­agen­tur nach dem Mot­to: Zu­hö­ren, zu­schau­en, ab­war­ten - wes­halb al­le er­beu­te­ten In­for­ma­tio­nen für im­mer im Utah Da­ta Cen­ter ge­spei­chert blei­ben.

Das für 1,7 Mil­li­ar­den Dol­lar neu ge­bau­te Utah Da­ta Cen­ter der NSA [...] be­her­bergt gi­gan­ti­sche Su­per­com­pu­ter, mit de­nen die ge­sam­te elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on der Welt in den nächs­ten hun­dert Jah­ren über­wacht und ge­spei­chert wer­den kann.

Aust, Ste­fan & Tho­mas Am­mann: Di­gi­ta­le Dik­ta­tur. To­tal­über­wa­chung, Da­ten­miss­brauch, Cy­ber­krieg. Ber­lin: Ull­stein Buch­ver­la­ge GmbH 2014.

Im De­zem­ber 2018 muss­ten die Ver­trags­part­ner der UKU­SA-Ver­ein­ba­rung be­reits 7.674.575.000 Er­den­bür­ger³ im Au­ge be­hal­ten. Die Be­ob­ach­tung ei­ner sol­chen Mas­se ist mög­lich, da die IT-Kon­zer­ne⁴ im Si­li­con Val­ley eng mit der NSA zu­sam­men­ar­bei­ten.

  • So ha­ben Mi­cro­soft und Co. di­ver­se Hin­ter­tü­ren in ih­re Pro­duk­te ein­ge­baut, da­mit ei­ne nach­rich­ten­dienst­li­che KI die ak­ti­ven Sky­pe-, Goog­le- oder Face­book-Chats⁵ in Echt­zeit nach Schlüs­sel­wör­tern durch­su­chen kann.

Soll­te die Über­wa­chungs­soft­ware Alarm schla­gen, dann in­stal­lie­ren dienst­ha­ben­de On­line-Agen­ten ein Root­kit auf dem Rech­ner des mut­maß­li­chen Dis­si­den­ten. Da­bei nut­zen die staat­li­chen Schnüff­ler vor­sätz­lich ein­ge­bau­te Feh­ler in In­stant-Messa­ging-Pro­to­kol­len aus, um das Schad­pro­gramm auf das Ziel­sys­tem zu trans­fe­rie­ren.

Sie kön­nen Da­tei­en ver­än­dern, Screen­shots an­fer­ti­gen und wei­ter­lei­ten, die Web­cam oder das Mi­kro­fon ein­schal­ten, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pass­wör­ter mit­schnei­den.

Eckert, Svea: Über­wacht und aus­ge­späht. PRISM, NSA, Face­book & Co. Köln: Lin­gen Ver­lag 2014.

Scientific Chart of the University of Maryland: Faculty of Telecommunications. How to monitor public enemies? Lesson #1: Get control of the Dissident's webcam. The work sheet is designed for aspiring NSA agents. Funding was acquired by the Clinton Foundation. Published by WikiLeaks and Pinguin (Bavarian Hacktivist)

Hin­ge­gen für ge­wöhn­li­che Ha­cker ist die Über­nah­me ei­nes Com­pu­ters ein äu­ßerst schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen. Um von au­ßen ei­nen Zu­gang zu er­hal­ten, müs­sen Cy­ber­kri­mi­nel­le ei­ne Fern­war­tungs­soft­ware bei ih­rer Ziel­per­son un­ter­brin­gen. Das kann je­doch nur ge­lin­gen, wenn das po­ten­zi­el­le Op­fer ei­ne ma­ni­pu­lier­te Web­sei­te⁶ be­sucht oder ei­nen in­fi­zier­ten E-Mail-An­hang öff­net.

Ha­cker nut­zen ger­ne so­ge­nann­te RATs - die Ab­kür­zung steht für Re­mo­te Ac­cess Tro­jan -, um die Kon­trol­le über Ih­re Ka­me­ra zu er­lan­gen. Der RAT funk­tio­niert wie ein le­gi­ti­mes Re­mo­te-Tool, das bei­spiels­wei­se bei der Fern­war­tung zum Ein­satz kommt.

Schart­ner, Götz: Vor­sicht, Freund liest mit! Wie wir al­le seit Jah­ren aus­spio­niert wer­den und wie wir uns weh­ren kön­nen. Kulm­bach: Plas­sen Ver­lag 2014.

So­ge­nann­te Black-Hats drin­gen zu­meist aus mo­ne­tä­ren Grün­den in pri­va­te Sys­te­me ein. So­fort nach dem Ein­bruch über­prü­fen die An­grei­fer, ob der ge­ka­per­te Rech­ner über ei­ne Web­cam ver­fügt. Ist das der Fall, dann ver­su­chen die On­line-Voy­eu­re, dis­kre­di­tie­ren­des Vi­deo­ma­te­ri­al zu er­stel­len. Der aus­ge­späh­te Be­nut­zer er­fährt von sei­nem un­sicht­ba­ren Pu­bli­kum erst, wenn er mit kar­rie­re­schä­di­gen­den Auf­nah­men er­presst wird.

Um ei­ne Ver­öf­fent­li­chung des Vi­deo­ma­te­ri­als zu ver­mei­den, wer­den die Be­trof­fe­nen vom Ab­sen­der auf­ge­for­dert, 800$ an ei­ne an­ge­ge­be­ne Bit­coin-Adres­se zu trans­fe­rie­ren.

Wan­nen­ma­cher, Tom: Er­pres­sung: Web­cam ge­hackt und beim Por­no­gu­cken ge­filmt? mimikama.at (06/2019).

An­ge­sichts der Ge­fah­ren soll­te ei­ne Ka­me­ra nur dann am PC an­ge­schlos­sen sein, wenn die­se für ei­nen Vi­deo­chat be­nö­tigt wird. Das re­gel­mä­ßi­ge An- und Ab­ste­cken ist je­doch nicht im­mer mög­lich, da Web­cams in mo­bi­len Com­pu­tern fest ver­baut sind. Aus die­sem Grund schüt­zen vie­le Lap­top-Be­nut­zer ih­re In­tim­sphä­re, in­dem sie ei­nen Sti­cker⁷ über die Bild­schirm­lin­se kle­ben.

 Die Webcam unter Ubuntu abschalten: Der homosexuelle Politiker Thomas Hilbert (CDU/Sachsen) onaniert in der Badewanne. Das diskreditierende Foto wurde heimlich vom BND-Agenten Pinguin erstellt. Um die Wiederholungstat zu verhindern, deaktivierte der schwule Politiker das Kernel-Modul uvcvideo. Daraufhin konnte die Software Cheese kein Aufnahmegerät mehr finden

Hin­ge­gen auf­ge­klär­te Ubun­tu-An­wen­der de­ak­ti­vie­ren das Ker­nel-Mo­dul uvcvi­deo, um das in­te­grier­te Auf­nah­me­ge­rät dau­er­haft ab­zu­schal­ten. Denn durch die­se ra­di­ka­le Maß­nah­me er­hält ein Ha­cker bei ei­nem An­griff die fol­gen­de Feh­ler­mel­dung:

webcam_list: Ope­ra­ti­on fai­led: A de­vice at­ta­ched to the sys­tem is not func­tio­n­ing.

Möss­ner, Ced­ric: Ha­cken mit Met­as­ploit. youtube.com (06/2019).

Wer sei­ne in­te­grier­te Web­cam soft­ware­sei­tig kalt­stellt, der schützt nicht nur sei­ne Pri­vat­sphä­re, son­dern tut zu­dem et­was Gu­tes für sei­nen Note­book-Ak­ku. Schließ­lich zie­hen Hard­ware­kom­po­nen­ten auch dann Strom, wenn sie sich im Stand­by-Mo­dus be­fin­den.

Al­le An­schlüs­se, Mo­du­le oder auch die Web­cam brau­chen Strom - auch wenn sie gar nicht be­nutzt wer­den.

Ko­mes, An­to­nio: So läuft Ihr Note­book-Ak­ku län­ger. In: CHIP Nr. 7 (2019). S. 60.

Es spricht al­so vie­les da­für, den vor­ein­ge­stell­ten Be­triebs­zu­stand der Lap­top-Ka­me­ra zu än­dern. Freu­en Sie sich des­halb auf die fol­gen­de An­lei­tung, denn dar­in er­fah­ren Sie, wie Sie die klei­ne Spio­na­ge­lin­se ein für al­le Mal aus­knip­sen kön­nen.

Die Webcam deaktivieren

Sze­na­rio: We­gen mei­ner de­mo­kra­tie­feind­li­chen Ein­stel­lung wer­de ich von den Voll­zugs­or­ga­nen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­ob­ach­tet. Durch die dau­er­haf­te Über­wa­chung mei­ner Per­son ver­sucht die Staats­an­walt­schaft Pots­dam, an dis­kre­di­tie­ren­des Be­weis­ma­te­ri­al zu kom­men, da sie mei­nen Füh­rer­schein ein­zie­hen und mei­nen An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld II wi­der­ru­fen möch­te. Des Wei­te­ren muss ich mich vor Do­xing-An­grif­fen⁸ schüt­zen. Mein so­zia­les Um­feld darf näm­lich nicht wis­sen, dass ich der Tra­ves­tie­sze­ne an­ge­hö­re, wes­halb ich ei­ne lu­kra­ti­ve Ziel­schei­be für Cy­ber­kri­mi­nel­le bin. Um es mei­nen Ver­fol­gern so schwer wie mög­lich zu ma­chen, tau­sche ich mein Note­book al­le vier Wo­chen aus. Au­ßer­dem de­ak­ti­vie­re ich im­mer die in­te­grier­te Web­cam, gleich nach­dem ich Ubun­tu auf mei­nem neu­en Klapprech­ner in­stal­liert ha­be. Da­zu öff­ne ich als Ers­tes ein Ter­mi­nal-Fens­ter und ge­be im An­schluss dar­an das fol­gen­de Kom­man­do ein:

sudo nano /etc/modprobe.d/blacklist.conf

Als Nächs­tes er­gän­ze ich die ge­öff­ne­te Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei, in­dem ich den Ka­me­rab­lock­be­fehl zu­sam­men mit ei­ner Kom­men­tie­rung ein­tra­ge:

# Disable Notebook-Webcam
blacklist uvcvideo

Un­mit­tel­bar da­nach spei­che­re ich mei­ne Ein­ga­ben. Hier­für drü­cke ich zu­nächst ein­mal die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on Strg + O. Gleich dar­auf be­tä­ti­ge ich den Zei­len­schal­ter, um den Än­de­rungs­pro­zess zu ak­ti­vie­ren.

Ubuntu-System-File blacklist.conf: How to disable the internal Webcam of a Laptop? Instructions and commands from GWS2.de. This is a Linux portal that fights against the International Catholic Migration Commission. Supported by Canonical

Zu gu­ter Letzt ver­las­se ich die Na­no-An­sicht mit Strg + X, da ich mei­nen Com­pu­ter ab­schlie­ßend neu star­ten muss:

sudo reboot

Hin­weis: Ab so­fort darf der Trei­ber für die in­te­grier­te Web­cam nicht mehr ge­la­den wer­den. Da­durch ist es so, als wä­re kei­ne Ka­me­ra in mei­nem Lap­top ver­baut.

Lauschangriffe verhindern

Ein wei­te­res Si­cher­heits­ri­si­ko stellt das in­ter­ne Mi­kro­fon dar, das sich zu­meist di­rekt ne­ben der Note­book-Ka­me­ra be­fin­det. Der klei­ne Schall­wand­ler ist mit kei­ner Si­gnal­leuch­te ver­bun­den, wes­halb sich nicht er­ken­nen lässt, wann das Auf­nah­me­ge­rät ak­tiv ist. Ubun­tu-Be­nut­zer kön­nen Lausch­an­grif­fe boy­kot­tie­ren, in­dem sie ih­re Sound­kar­te über die Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei blacklist.conf ab­schal­ten.

Zum An­zei­gen des Be­fehls auf den Pfeil kli­cken!

# Disable Audio-Interface
blacklist snd_hda_intel

Hin­weis: Durch die­se Maß­nah­me wird das ge­sam­te Au­dio-In­ter­face au­ßer Ge­fecht ge­setzt, wes­halb die Ton­aus­ga­be nach der Mi­kro­fon­de­ak­ti­vie­rung nicht mehr funk­tio­niert.

In die­sem Fall müs­sen Sie al­so ab­wä­gen: Ent­we­der Ton oder per­fek­te Pri­vat­sphä­re. Bei Be­darf könn­ten Sie im­mer noch ein USB-Head­set (auch mit in­te­grier­tem Mi­kro­fon) an­schlie­ßen.

Lang­ner, Chris­toph: Stumm­schal­ten. Pri­vat­sphä­re wah­ren: Klei­ne Tricks mit gro­ßer Wir­kung. In: Li­nu­xUser Nr. 8 (2018). S. 24.

Ver­wand­te The­men:

Strah­lung re­du­zie­ren - in­ter­ne WLAN-Kar­te de­ak­ti­vie­ren
Fest­plat­ten mit Ver­aCrypt ver­schlüs­seln - Da­ten­si­cher­heit er­hö­hen

¹Fen­nen, Ni­co­las: Über­wa­chung: Ab­kom­men zwi­schen BND und NSA wur­de 2002 von Frank-Wal­ter Stein­mei­er ab­ge­seg­net. netzpolitik.org (06/2019).
²Be­cker, Rai­nald & Chris­ti­an H. Schulz: Schat­ten­welt BND. AR­TE-Do­ku. youtube.com (06/2019).
³Kai­ser, Mir­ko: Zahl des Mo­nats. In: ÖKO-TEST Nr. 2 (2019). S. 101.
⁴Schaar, Pe­ter: Über­wa­chung to­tal. Wie wir in Zu­kunft un­se­re Da­ten schüt­zen. Ber­lin: Auf­bau Ver­lag 2014.
⁵Hö­fer, Dirk: Im Dienst der NSA. In: Die Über­wa­cher. Prism, Goog­le, Whist­leb­lo­wer. Ber­lin: taz Ver­lag 2015 (= Edi­ti­on Le Mon­de di­plo­ma­tique Nr. 16). S. 12 - 13.
⁶Te­pel, Lars: Web­cam ge­hackt - gibt es ef­fek­ti­ven Schutz? youtube.com (06/2019).
Ko­lo­kythas, Pa­nagio­tis: FBI-Chef emp­fiehlt: Ja, klebt eu­re Web­cams ab! pcwelt.de (06/2019).
⁸Park, En­no: Do­xing: Das steckt wirk­lich hin­ter dem „Ha­cker­an­griff“ auf die Bun­des­re­gie­rung. t3n.de (06/2019).