👨🏼💻 Ein Gastartikel von Jörg Schneider, ausgebildeter Netzwerk- und Systemadministrator sowie technischer Leiter eines PC-Vor-Ort-Dienstes mit Linux-Expertise.
Es herrscht die allgemeine Meinung, dass Microsoft mit dem 14. Oktober 2025 eine Vielzahl von Privatnutzern in die Linux-Welt getrieben habe. Der Alltag beim Kunden spiegelt diese These jedoch kaum wider. Wer einen Windows-10-PC besitzt, nutzt diesen meist weiter, solange Applikationen und Spiele funktionieren. Argumentiere ich mit erhöhten Malware- und Phishing-Risiken, lässt sich ein Teil der Kunden zu einem Inplace-Upgrade überreden. Der andere Teil sagt sinngemäß: „Solange der rote Regenschirm von Avira neben der Uhr gespannt ist, kann mir nichts passieren.“ Wer wechselt also im Jahr 2026 tatsächlich zu Linux? Aus meiner Erfahrung sind es vor allem Nutzer, bei denen noch Windows 7 oder Windows 8.1 läuft – und das sind weitaus mehr, als man denkt. Diese Menschen rufen auch nicht an und sagen: „Können Sie mir Ubuntu installieren?“, sondern: „Mein Programm XYZ geht nicht mehr, ich brauche Windows 11.“ Vor Ort finde ich dann Laptops oder Desktop-PCs vor, die 2012 bei Saturn gekauft wurden.
Stolz werden mir die Kaufbelege präsentiert: „Der hat mal 1.200 Euro gekostet und bisher immer tadellos funktioniert.“ Natürlich könnte ich Windows 11 auf so eine Kiste prügeln und der rödelnden HDD bei der Installation den Rest geben. Doch meine Servicezeit kostet Geld – und das ist es den Kunden meist nicht wert.
- „Ein neuer gebrauchter PC? Warum denn? Der funktioniert ja noch!“
ℹ️ Für Menschen ohne IT-Affinität haben Computer einen emotionalen Wert. Anders als bei einem Auto investieren viele jedoch nur ungern in ihren elektronischen Freund – obwohl dieser oft tausende Stunden wertvolle Dienste geleistet hat.
Die Lösung solcher Fälle liegt häufig in Ubuntu oder Linux Mint. Doch wie heißt es so schön: „Die Lösung eines Problems ist oft ein neues Problem.“ Erstaunlicherweise haben Windows-Umsteiger kaum Berührungsängste mit LibreOffice, Thunderbird oder Firefox. Der alte Drucker hingegen soll auf jeden Fall weiter funktionieren.
Dabei handelt es sich meist um einen Canon-Tintenstrahler von 2014, der einst von einer Marktkauf-Palette genommen wurde und heute einen Zeitwert von null Euro besitzt. Manchmal taucht auch ein Schwarz-Weiß-Laserdrucker von Samsung auf, auf dem bereits 1997 das Testament der Oma ausgedruckt wurde.
- Dass solche Geräte mit modernen Linux-Distributionen nicht funktionieren, versuche ich dann zu erklären.
- „Was würden Sie empfehlen? Ich habe eh schon mit einem HP-Drucker geliebäugelt. Die gibt es günstig im MediaMarkt, und das ist ja eine gute Marke“, höre ich häufig.
HP-Drucker funktionieren unter Ubuntu & Co. in der Regel zuverlässig – dank HPLIP auch ältere Modelle. Allerdings sollte man bei der Anschaffung genau auf die Modellbezeichnung achten: Ein kleines „e“ am Ende steht meist für cloudbasierte Abo-Funktionen. Kurzum: geringe Anschaffungskosten – hohe Folgekosten.
- „Also soll ich für mein neues Linux-System einen HP-Drucker kaufen?“, werde ich in solchen Gesprächen häufig gefragt.
- „Sie können kaufen, was Sie möchten – solange das Gerät IPP Everywhere unterstützt. Das ist bei modernen Modellen von Brother und HP der Fall.“
Als professioneller IT-Dienstleister habe ich bei Kundenterminen grundsätzlich einen Ubuntu-Laptop sowie meinen HP OfficeJet 200 Mobile Printer dabei.
Mit diesem akkubetriebenen Drucker kann ich meinen Kunden direkt vor Ort demonstrieren, wie moderne Linux-Distributionen dank IPP Everywhere vollständig treiberlos drucken.
ℹ️ IPP Everywhere ist ein seit 2016 standardisiertes Driverless-Printing-Profil auf Basis von IPP. Der Drucker stellt seine Fähigkeiten über Get-Printer-Attributes selbst für CUPS bereit. Unterstützt werden unter anderem PDF/PWG-Raster, Auflösung, Duplexbetrieb und Farbräume, vollständig ohne PPD-Dateien oder herstellerspezifische Treiber.
Moderne Drucker benötigen unter Ubuntu heute in der Regel keine aufwendige Treiberinstallation mehr. Sobald ein Gerät per USB oder über das Netzwerk verbunden wird, meldet es sich sinngemäß:
- „Hallo, ich bin ein Drucker.“
Der Linux-Druckserver CUPS antwortet darauf über IPP:
- „Hallo Drucker, wie heißt du und was kannst du?“
Anschließend übermittelt das Gerät seine technischen Eigenschaften. Auf dieser Basis erstellt CUPS automatisch einen Treiber, der in der Regel nur temporär im Arbeitsspeicher existiert. Möchte der Benutzer beispielsweise eine PDF-Datei ausdrucken, durchläuft der Druckauftrag folgende Verarbeitungskette:
Applikation → PDF → CUPS → IPP Everywhere → Drucker
Betrachtet man die Konfiguration direkt im CUPS-Webinterface, lässt sich gut nachvollziehen, wie Ubuntu den angeschlossenen Drucker eingebunden hat.
HP OfficeJet 200 Mobile Series [C7C0DB] (USB)._ipp._tcp.local
Der vordere Teil stellt den automatisch generierten CUPS-Druckernamen dar. Der hintere Abschnitt verdeutlicht, dass das per USB angeschlossene Gerät als IPP-Netzwerkdrucker emuliert wird, um das Internet Printing Protocol nutzen zu können.
Die Kennzeichnung „driverless“ verweist auf das standardisierte Driverless-Printing-Profil auf Basis von IPP Everywhere, bei dem sämtliche Druckparameter dynamisch vom Gerät bereitgestellt werden.
Keine Treiber nötig
Die Zeiten, in denen Linux-Distributionen nur mit großem Aufwand zum Drucken bewegt werden konnten, sind längst vorbei. Zumindest bei Modellen von HP und Brother gilt heute: Anstecken – fertig.
- „Aber es muss doch Einschränkungen geben, sonst würden die Hersteller keine Windows-Treiber anbieten“, könnte man nun einwenden.
Dieser Gedanke ist nicht ganz unbegründet.
Bei meinem HP OfficeJet 200 Mobile Printer muss ich beispielsweise auf die Anzeige des Tintenfüllstands verzichten, da das CUPS-Webinterface diese Information nicht bereitstellt. Vermutlich wäre hierfür der Einsatz von HPLIP notwendig. Auch Firmware-Updates lassen sich nicht direkt vom PC aus durchführen, sondern müssen am Gerät selbst angestoßen werden. Im Alltag spielt das jedoch kaum eine Rolle, da ich die Druckeinstellungen bequem über die Tastenkombination Strg + D vornehme.
Für HP DeskJet oder OfficeJet Modelle - also die, bei denen das Papier keinen eigenen Schacht hat - würde ich drucken und scannen stets unkompliziert via IPP Everywhere durchführen. Bei größeren Multifunktionsgeräten macht die Installation von HPLIP vermutlich Sinn, um granularere Einstellungen zu treffen und die Quality-of-Life-Features zu nutzen.
Mein Fazit: Jeder kann sein System heute problemlos auf eine Linux-Distribution umstellen. Ein aktuelles Ubuntu auf einem Rechner aus dem Jahr 2012 ist allemal sinnvoller, als mit einem veralteten Windows seine digitale Identität leichtfertig zu riskieren. Das gesparte Geld investiert man besser in einen zeitgemäßen Drucker – und ist damit ohne technisches Vorwissen und ohne ständige Bastelei wieder voll arbeitsfähig.
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🛠️ Über den Autor:
Jörg Schneider ist bei Computerheld Linz tätig. Zu seinen Kunden zählen Landespolitiker, Architektinnen, Immobilienverwalter, Romanautoren – ebenso wie Pensionisten, die von der Mindestsicherung leben müssen. Er löst Probleme. Deshalb nennen ihn Kollegen „Winston Wolf“. Bei seinen Kunden ist er schlicht als „der Schneider“ bekannt.


![Automatisch eingerichteter HP OfficeJet 200 unter Ubuntu 24.04.3 LTS mit CUPS 2.4.7 und IPP Everywhere (Driverless Printing). GWS2.de Der Screenshot zeigt die Druckerverwaltung von Ubuntu 24.04.3 LTS in der Standardkonfiguration mit CUPS 2.4.7, wie sie unmittelbar nach der Installation ausgeliefert wird. Abgebildet ist ein per USB angeschlossener HP OfficeJet 200 Mobile Printer, der vom System automatisch erkannt und ohne manuelle Treiberinstallation eingerichtet wurde. Die Oberfläche stammt aus dem GNOME-Kontrollzentrum und dient als grafisches Frontend für den CUPS-Druckdienst. Im oberen Bereich ist das Detailfenster des Druckers mit der Bezeichnung. HP_OfficeJet_200_Mobile_Series_C7C0DB_USB“ zu sehen. Dieser automatisch generierte Name setzt sich aus der Modellbezeichnung, einer gerätespezifischen Kennung sowie der Anschlussart zusammen und dient CUPS als interne Warteschlangenbezeichnung. Als Standort ist „LOCAL“ eingetragen, was eine rein organisatorische Funktion hat und keinen Einfluss auf die technische Konfiguration besitzt. Besonders aufschlussreich ist die angezeigte Geräteadresse „HP OfficeJet 200 Mobile Series [C7C0DB] (USB)._ipp._tcp.local“. Sie verdeutlicht, dass der Drucker trotz USB-Verbindung als IPP-Netzwerkdienst angesprochen wird. Über IPP-over-USB stellt das Gerät seine Druckfunktionen per Internet Printing Protocol zur Verfügung und wird über mDNS beziehungsweise Avahi automatisch im System bekannt gemacht. Der Drucker emuliert damit aus Sicht des Betriebssystems einen Netzwerkdrucker, was die Grundlage für das treiberlose Drucken nach dem IPP-Everywhere-Standard bildet. Als verwendeter Treiber wird lediglich „HP OfficeJet 200 Mobile Series“ angezeigt. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen herstellerspezifischen Treiber mit PPD-Datei, sondern um eine von CUPS dynamisch erzeugte virtuelle Warteschlange. Die notwendigen Druckparameter wie unterstützte Formate, Auflösung, Duplex-Fähigkeit und Farbräume werden direkt vom Gerät über IPP-Attribute bereitgestellt und von CUPS zur Laufzeit ausgewertet. Die darunter angebotenen Optionen zur manuellen Treiberwahl oder PPD-Installation sind vorhanden, werden in diesem Fall jedoch nicht benötigt, da das Gerät vollständig driverless betrieben wird. Im unteren Bereich des Screenshots ist die Übersicht der eingerichteten Drucker zu sehen. Dort erscheint derselbe Drucker mit verkürztem Namen, ergänzt durch die automatisch erkannte Modellbezeichnung „HP OfficeJet 200 Mobile Series“. Der Status wird mit „Bereit“ angezeigt, was signalisiert, dass der CUPS-Dienst aktiv ist, der Drucker erreichbar ist, der IPP-Endpunkt korrekt antwortet und keine Störungen in der Warteschlange vorliegen. Zusätzlich wird angezeigt, dass aktuell keine Druckaufträge anstehen. Insgesamt dokumentiert der Screenshot exemplarisch die moderne Druckerintegration unter Ubuntu 24.04.3 LTS: Ein mobiler USB-Drucker wird automatisch erkannt, über IPP eingebunden und ohne proprietäre Treiber sofort betriebsbereit gemacht. Die gesamte Konfiguration basiert auf offenen Standards und dynamischer Geräteerkennung, wodurch klassische Treiberpakete und manuelle Einrichtungsschritte vollständig entfallen. Damit veranschaulicht die Aufnahme praxisnah, wie „Driverless Printing“ mit CUPS und IPP Everywhere im Alltag zuverlässig funktioniert. Computerheld Linz - Jörg Schneider - Februar 2026](/px/hardware/drucker/hp/mobile/prev_ubuntu_ipp8.png)



